Alice Schwarzer vs. Kristina Schröder !


Einen schönen guten Tag  aus Potsdam!

Ich habe mir erlaubt bekannt, fremd zubloggen.Gelegentlich tut man das gerne auch woanders.Und so habe ich beim Vorwärts, mit dem mich eine herzliche Freundschaft verbindet, dieses mal  das geschrieben.

http://www.vorwaerts.de/blogs/frau-ministerin-schroeder-so-jung-an-jahren-und-so-alt-im-kopf

Damit habe ich auf das unmittelbar reagiert, was man hier lesen kann:

http://www.queer.de/detail.php?article_id=13080

Wie  das Internet  immer so ist, man wird gefunden.Und so hat mir Angelika Mallmann die  als Chefin vom Dienst bei EMMA arbeitet, diese nette Mail zukommen lassen. Ich denke in dieser Kette der gegenwärtigen Infojonglage zeigt sich auch interessanter Weise, wie was immer so rum geht. Und wird nun mit Schmackes, auf dem Schreibtisch  von Bundesfamilenministerin Schröder landen. Ich wünsche frohe Verdauung!


Liebe Martina Wilczynski,

das könnte Sie vielleicht interessieren: beiliegend ein „Offener Brief“ von Alice Schwarzer an Ministerin Schröder, mit dem sie auf das Spiegel-Interview von heute reagiert.

Mit besten Grüßen

Angelika Mallmann

EMMA Redaktion

***

PRESSEMITTEILUNG

Alice Schwarzer: Offener Brief an Kristina Schröder


Sehr geehrte Frau Ministerin!

Sie sind jetzt seit fast einem Jahr im Amt. Seither warte nicht nur ich auf Taten und Zeichen von Ihnen, die die Lage der Familien verbessern und die Gleichberechtigung der Frauen weiter bringen könnten. Zeichen, wie wir sie von Ihrer couragierten Vorgängerin gewohnt waren. Wir warteten bisher allerdings vergebens. Die einzig aufregende Nachricht aus Ihrem Amt war Ihr Namenswechsel von Köhler auf Schröder – was mich persönlich, ehrlich gesagt, bis heute verwirrt.

Dafür haben Sie nun dem Spiegel ein aufschlussreiches Interview gegeben. Ein Interview, bei dem man nicht so recht weiß, ob man nun weinen oder lachen soll. Eines jedenfalls ist spätestens jetzt klar: Was immer die Motive der Kanzlerin gewesen sein mögen, ausgerechnet Sie zur Frauen- und Familienministerin zu ernennen – die Kompetenz und Empathie für Frauen kann es nicht gewesen sein.
Mit Ihrem übereifrigen Engagement für Männer – statt Frauen – gehen Sie selbst den beiden Spiegel-Interviewern zu weit. Die machen Sie im Gespräch mehrfach ironisch darauf aufmerksam, dass Sie „doch Frauen- und nicht Männerministerin“ seien und von 185 Dax-Vorständen noch immer 181 männlich. Doch das kann Sie nicht bremsen.

Als erstes nehmen Sie sich den „frühen Feminismus“ vor. Da haben Sie als Jahrgang 1977 zwar die Gnade der späten Geburt, aber nicht das Recht, Stammtisch-Parolen zu reproduzieren. Stammtisch-Parolen aus den 1970er Jahren wohlgemerkt. Denn die Stammtische 2010 sind längst weiter, viel weiter als Sie.

Der „frühe Feminismus“ habe „übersehen, dass Partnerschaft und Kinder Glück spenden“, für ihn sei die Homosexualität „die Lösung der Benachteiligung der Frau“ gewesen, behaupten Sie. Frau Ministerin, ein so billiges Klischee wagen Sie doch nicht allen Ernstes über die folgenreichste soziale Bewegung des 20. Jahrhunderts zu verbreiten? Eine Bewegung, der Sie unter anderem Ihre ganz persönliche Karriere zu verdanken haben. Und die Anstöße gab für eine Welt, in der Frauen endlich davon ausgehen dürfen, dass sie alles können, was Männer können – und umgekehrt (Stichwort Vaterschaftsurlaub). Eine Welt, in der die von Ihnen so wohlfeil im Munde geführte „Partnerschaft“ nicht mehr länger reine Theorie sein muss, sondern echte Chancen hat. Weil nur Gleiche Partner sein können.

Sodann bürsten Sie mich ab, klar. Sie hätten zwar „viel gelesen“ von mir, aber… Mit Verlaub: Ich kann mir das kaum vorstellen. Sonst würden Sie nicht einen so hanebüchenen Unsinn behaupten wie den: Ich hätte geschrieben, „dass der heterosexuelle Geschlechtsverkehr kaum möglich sei ohne die Unterwerfung der Frau“.

Ich vermute, Sie rekurrieren damit auf den 1975 (!) erschienenen „Kleinen Unterschied“. Darin wird in der Tat die Funktion von Sexualität und Liebe bei der (Selbst)Unterdrückung von Frauen analysiert. Das ist weltweit ein zentrales feministisches Thema. Denn noch immer verstehen manche Frauen unter Liebe vor allem Selbstaufgabe, und ist Sexualität noch viel zu oft mit Gewalt verbunden.

Aber das war, wie gesagt, 1975, zwei Jahre vor Ihrer Geburt. Seither habe ich schon noch dies und das veröffentlicht. Inzwischen schreiben wir nämlich das Jahr 2010. Doch auch dazu reproduzieren Sie nichts als Klischees.

Zum Beispiel das Klischee, die Überzahl weiblicher Erzieher und Lehrer sei schuld an der Misere der „armen Jungen“. Denen wollen Sie sich jetzt mit Ihrem Ministerium vorrangig widmen. Sie gehen dabei so weit, feministischen Pädagoginnen zu unterstellen, sie würden „Jungs bewusst vernachlässigen“, was „unmoralisch“ sei. Es ist diese Unterstellung, Frau Schröder, bei diesen Frauen, die einen sehr harten, sehr engagierten Job machen, die unmoralisch ist!

Ja, es stimmt, dass wir es mit einer rasanten „Feminisierung“ der pädagogischen Berufe zu tun haben. Aber warum? Weil die Männer einfach nicht mehr Kindergärtner oder Lehrer sein wollen! Zu schlecht bezahlt und gesellschaftlich nicht anerkannt. Das ist das Problem.

Nein, es stimmt nicht, dass die Überrepräsentanz weiblicher Pädagogen schuld ist an den Problemen der Jungen. Dafür gibt es, wie Sie als Ministerin wissen sollten, null wissenschaftliche Beweise (siehe dazu auch www.emma.de/hefte/ausgaben-2010/herbst-2010/arme-jungs/ ). „Schuld“ ist eher ein verunsichertes Verständnis von „Männlichkeit“, eine Männerrolle, bei der es als uncool gilt, zu lernen, und als cool, zu pöbeln – und Pornos zu konsumieren.

„Schuld“ ist auch der Zuzug von Menschen aus Kulturen nach Deutschland, die eben leider nicht durch den Feminismus gegangen sind, wie die ex-sozialistischen Militärdiktaturen Osteuropas oder die muslimischen Länder. Deren Söhne geraten nun mit ihrem vormodernen, archaischen Männlichkeitsbild in unsere moderne Welt. Da liegt in der Tat reichlich Konfliktstoff und vieles im Argen.

Es ließe sich noch vieles sagen, Frau Schröder. Aber, darf ich offen sein? Ich halte Sie für einen hoffnungslosen Fall. Schlicht ungeeignet. Zumindest für diesen Posten. Vielleicht sollten Sie Presse-Sprecherin der neuen, alten so medienwirksam agierenden, rechtskonservativen Männerbünde und ihrer Sympathisanten werden.

Mit Bedauern und besten Grüßen

Alice Schwarzer (eine von vielen frühen Feministinnen)

____________________
EMMA
Bayenturm, 50678 Köln
T 0221/606060-0, Fax -29
www.emma.de
www.aliceschwarzer.de

EMMA auf Probe: zwei Hefte für 10 € statt 19,60 € – Mehr Infos unter www.emma.de/probe_abo.html

Diskutieren Sie mit auf EMMAonline! http://www.emma.de/forum.html

Geschäftsführerin: Alice Schwarzer
Köln HRB 7742
UST-ID-Nr. DE 122777305

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5 Gedanken zu “Alice Schwarzer vs. Kristina Schröder !

  1. dieblaueneu schreibt:

    Bei allem Respekt für Frau A.Schwarzer, die sich immer als eine Feministin outet, der es um eine menschenwürdige Stellung der Frau in einer sich humanistisch-christlich-reformiert nennenden Gesellschaft geht und nicht nur um die Eroberung der Öffnungen der Frauen für die Schlafzimmer der Lesben, wie manch andere sich Feministen nennende KämpferInnen, die den Mann als solchen als den Feind ansehen, den es zu bekämpfen gilt.
    Der Mann als der Frau feindlich gesinnte Kraft; das ist Unsinn, aber kein Unsinn, der Frau Schwarzer wirklich zum Vorwurf gemacht werden kann, auch wenn man die kritische Biographie von Bascha Mika an A.Schwarzer gelesen hat.
    Sie spiegelte in blindem Gefolgschaftsglauben an ihre geistige Mutter, deren Gedankenwelt wieder, ohne Reflexion.
    Der gedankliche Ansatz von Simone.d.Beauvoir ..,ist eng angelehnt an J.P Sartre, mit dem sie in der von ihnen gelebten Symbiose lebten, böse Zungen sprachen sogar von S.d.Sarte.

    Ich erlaube mir, diesen Ansatz als schlichtweg falsch zu qualifizieren und habe mir, auch wenn ich keinen „Leer“-stuhl in Feminismus besitze, darüber hinaus erlaubt,mir Gedanken dazu zu machen und diese zu Papier zu bringen; nämlich darüber wie und woraus das Machtverhältnis der Geschlechter besteht,welches eingebunden ist, in die Evolution, aber in eine Sichtweise der Evolution, die sich nicht an die Macho-Evolutionth. nach Darwin anlehnt sondern an die Evolutionstheorie nach Frau Margulis, nämlich der seriellen Endosymbiose.

    Macht und das Verhältniss der Geschlechter zueinander, auch das Machtverhältnis der Fem-Frau(Mama) zur Fem Mann(Mami)- vgl. der vorgehend kritisierte Spiegel Artikel–, das ist die zu klärende Fragestellung.

    Wenn etwas die Frau unterdrückt, dann ist es das, was auch alle anderen Menschen unterdrückt, der Machtmechanismus, der sich immer wieder selbst gebiert und seine –mit Nietzsche gesprochen– unendlichen sinnlosen Wiederholungen in allen bisherigen gesellschaftlichen Experimenten, die die neuen „Mächte der Tat“ geboren und uns, dem Volk zugemutet haben.

    Das Volk, dass auf dem Markt um seiner Vorteile willen erscheint -nicht um falscher Phrasen Willen-, die neuen Machtmissbrauch verstecken sollen, wie falsche Prüderie die Lüsternheit-, bis dem Menschen auf diesem Markt das angeboten wird, was in ihm und uns ist, die Struktur der Macht selbst und sein Missbrauch,die ihn und die Frauen unterdrückt, die Macht an sich, die sich für den Zweck und der Evolution/Schöpfung hält und nicht als das sieht zu dem es geschaffen ist—-als Mittel–, als das Seil auf dem Marktplatz des Seiltänzers — die uns zum Leben, zum Geist, zur Humanität, zum Übermenschen—gleich die Bezeichnung—- führen soll.

    Dort liegt die Ursache der Unterdrückung.
    Über diese aus der Evolution sich wiederholend-spiegelnd Gebärende–, die zu erkennende Macht habe ich gewagt eine Schrift zu verfassen.

    Wenn´s interessiert, hier der Link

    http://www.lulu.com/product/ebook/geschlechterrassismusfeindschaft-bis-zum-endsieg-der-weiblichen-dominanz-oderwas-frau-ist-was-mann-ist-was-macht-ist/12207901?productTrackingContext=search_results/search_shelf/center/6

    Geschlechterrassismus: Feindschaft bis zu Endsieg der weiblichen Dominanz ODER Was Frau ist! Was Mann ist! Was Macht ist.

    • Hallo und guten Abend!

      Danke für diesen hinreichenden Kommentar. Ich werde ihn mir Schrittweise zu Gemüte führen.Denn es ist ein abstrakter Kommentar.

      Aber eins, muss gesagt werden: Mit einer gewissen Verstiegenheit werden wir dieses Thema das mitten im Leben ist, nicht klar beherrschen können. Vielmehr scheint mir wichtiger, dass wir lebendige Dialoge erleben, die freilich nicht frei vom Gendergedanken sind.

      Und wo wir gerade Genderbewegungen aufgreifen, mal dieses Beispiel aus der Kommunalpolitik. Eine Gemeinde plant einen Bau einer Sporteinrichtung.Nun es wird überlegt ob Turnhalle oder Sportplatz. Die Entscheidung geht in Richtung Sportplatz.Und raten Sie mal wem das zu Gute kommt.Den Jungs natürlich. Mädels sind auch heute eher nicht im Outdoor – Bereich zu sporlicher Betätigungen zufinden.Was Gutachtenmäßig erhoben ist. Sie sind eher beim Sporttreiben im Indoorbereich aktiv.

      Was sagt uns das? Auch eine öffentliche Fiananzlage muss Genderregeln haben.Man nennt das in der Fachsprache Gender Budgeting.

      Dieses nur mal als Beispiel um Ihre Thesen etwas zuentspannen. Was hilfreicher ist, denke ich mal.

      Beste Grüße aus Potsdam!

  2. Ja bitte sehr.Ich antworte auf alle Kommentare, die ich zulasse. Das gehört sich ja wohl so.Auch wenn manche Meinungslage Meilenweit auseinander liegt.Aber diesen Luxus sollten wir uns schon leisten können. 😀

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